auto, motor und sport

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Die Sonne bringt es an den Tag

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December 30, 2014 by Clauspeter Becker

Den kleinen Schwärmen von VW New Beetle aus Mexiko können bald auch Beetle Convertibles aus den USA folgen. Unter Kaliforniens Sonne war auto motor und sport mit einem der ersten unterwegs.
Der Pacific Coast Highway trennt in Newport Beach fein säuberlich die Elemente. Auf der einen Seite liegen die Boote und die Yachten, auf der anderen erstreckt sich die exclusivste Automeile des südlichen Kaliforniens.
Da gibt es außer allen noblen Marken das Speeway-Café mit einem Stock-Car auf dem Dach. Und irgendwo dazwischen liegt vor dem Cigar Shop, dem Pilgerort der Schikkeria, Peter C. Camerons Firma Special Vehicle Concepts.
Auch dieser Cameron war bisher mehr den titanischen Projekten zugetan. Den Platz an der teuren Pulsader des extrovertierten Autobazars verdiente er bislang mit gewalttätigen Sport Utility Vehicles.
Seine Verpflanzung eines Eaton Roots-Kompressors auf die Ansaugbrücke des V8 hat schon fast 100 Range Rover zu, wie Cameron versichert, 400 PS verholfen. Auch fesche Klassiker wie den Dino im Showroom oder vor der Tür den Ferrari 412 mit dem nicht so ganz korrekt applizierten Cabrio-verdeck handelt der smarte Peter gern.
Aber mit nichts von alledem hat Camerons Company die Hälse der vorübercruisenden Auto-Freaks so nachhaltig verdreht wie mit den Convertibles auf Basis des VW New Beetle. Das silberne Cabrio zählt mittlerweile zu den Fixsternen des Pacific Coast Highway, und Camerons Geschäfte gehen gut damit.
Aber er hat nichts dagegen, daß sein Handel noch etwas besser läuft. Auf die Frage nach Fototermin und Probefahrt schiebt er den Schlüssel augenblicklich über den Schreibtisch.
Der erste Fahreindruck läßt sich im Süden Kaliforniens nicht einfach mit der Tatsache beschreiben, daß man hier in einem offenen Golf sitzt, dessen Proportionen leicht verschoben sind. Die Fahrt im Beetle ist hier immerzu das Bad in einer freundlichen Menge. Dem geschlossenen Käfer streichelt das Publikum das runde Dach mit seiner Sympathie. Der offenen Version schütten begeisterte Passanten die volle Zuneigung ins Cockpit. Ein wenig südlich in Laguna Beach, wo sich die Schönen und die Reichen pausenlos zu gefallen trachten, verstärkt sich der Genuß von heftiger Bewunderung.
Im Umgang mit der auch im Dezember noch wohltemperierten pazifischen Luft ist das Beetle Convertible besonders begabt. Die weit nach vorn gerückte Windschutzscheibe und die beträchtliche Größe des Dekolletés machen den Beetle zu einer der turbulentesten offenen Stellen unter dem Cabrio-Himmel. Da ziet und wirbelt es rein wie in einen echten Klassiker, wie in ein Käfer Cabrio von früher oder schlimmer.
In seiner Beziehung zu den Winden ist das Beetle Convertible weit mehr noch retro als das Coupé, wie Amerikaner die geschlossene Version gern nennen. Wahrscheinlich ist sogar der Tornado, der hier bei Tempo 120 einbricht, nichts für die Windschott-Generation.
Den Offen-Fahrer stellt dieses Cabrio vor eine harte Prüfung. Genießer, die den Wirbelwind beschaulich mehr auf Nebenstraßen suchen, bekommen ganz gewiß das richtige Menü.
Die Haltungsnoten für das Betragen auch auf schlechten Straßen sind bei diesem Beetle ausgezeichnet. Auch grobe Wellen machen es nicht zum Klappriolet, Verwindungen sind nur dezent zu spüren.
Dies schöne Maß an Festigkeit verdankt die Karosserie der Newport Convertible Engineering Inc. in Placentia. Al Zadeh, der darauf besteht, Perser zu sein und nicht Iraner, ist Präsident des Unternehmens, das man getrost als furchtlose Aufschneiderei bezeichnen kann.
Vor Zadehs Flex ist kein Coupé und keine Limousine sicher. In Arbeit ist dort gerade eine S-Klasse, die als viertüriges Cabrio für die Falkenjagd in die Arabischen Emirate geliefert wird.
Zadehs verwegene Eröffnungen gelingen, weil er grundsätzlich der Bodengruppe solide Versteifungen einzieht. Vierkantrohr stärkt hier nich nur die Längsträger und die Biegefestigkeit, kreuzförmige Querverstrebungen und hinten eine Domstrebe widersetzen sich auch der Torsion. Die sehr stabile Wesensart festigt gute Veranlagungen, das Cabrio läßt sich wie Beetle, Golf und Co ganz ohne Risiko und Nebenwirkung schnell und sportlich fahren.
Das Verdeck, das hier im Klima rund um Newport Beach meist unauffällig wie ein kleiner Tagesrucksack auf dem Heck rumliegt, verleugnet seinen kalifornischen Ursprung nicht. Es ist ein Dach für eine Gegend, in der es Song-Texten zufolge nie zu regnen scheint.
Mr. Zadeh hat da zwar ein leichtes Futter eingezogen, aber den teuren Aufwand versenkbarer Seitenscheiben hat er sich und seiner Kundschaft konsequent erspart. Geschlossen ist dies Cabrio schon eine Herausforderung an die geschmackliche Toleranz.
Denn die sehr breit mit Segeltuch getakelte C-Säule ist kaum ein Stilmittel landläufiger Eleganz, und aller Sicht in schräg einmündende Straßen steht der Stoff zwangsläufig sehr im Wege. Das stört auch Peter Cameron, der nun den Serienmodellen kleine Dreiecksfenster neben der Rückscheibe verordnet hat – wie im Stoffdach des Mercedes SL. Es rückt die Anmutung des Cabrios durchaus ganz vorteilhaft in Richtung Roadster.
Der weitere Verzicht auf elektrische Dienstleistungsmaschinen fürs komfortable Öffnen oder Schließen des Stoffdachs mag angesichts der amerikanischen Herkunft verwundern, doch eine sonderliche Mühe ist der Zeltbau nicht. Das Gestänge ist leichtgängig, die Schnappverschlüsse vom Mazda MX-5 schließen mit gewohnter Perfektion.
Das Dach bleibt auch bei höherem Tempo flattefrei. Allein der Test der Waschanlagenfestigkeit scheiterte am feinen Stil der Gegend: In Newport Beach auf der Automeile wird grundsätzlich von mexikanischer Hand gewaschen.
Der effektive Preis eines Beetle Convertible sellt alle Begeisterten vor eine kostspielige Entscheidung. Ein Beetle kostet laut Liste in den USA 17 000 Dollar. Doch Peter Cameron warnt gleich: „Unter 19 000 ist kaum etwas zu machen, die Händler dürfen fordern, was sie kriegen.“ Der Umbau wird mit 12 000 Dollar berechnet. Unterm Strich stehen also mindestens 31 000 Dollar. Mit Fracht, Zoll und Steuer werden daraus 60 000 Mark.
Da ist man dann mit seinem handgeschnitzten Obenohne-Käferlein in der Region der Sechszylinder-Cabrios von Audi, BMW und Chrysler. Aber vielleicht werden wir Camerons spendablen Kunden einmal dankbar sein – wenn sie so viele Convertibles gekauft haben, daß der große VW-Feldherr Ferdinand Piëch das Geschäft mit dem offenen Beetle lieber selbst macht.
Denn soviel ist sicher: Der Golf mag der praktischere Familienwagen als der Beetle sein, aber wenn es um emotionelle und offene Autos geht, dann ist der Beetle klar die Nummer eins vor dem braven Golf.

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